Geschichte / Altar- oder Wandbehang mit Bildstickerei aus dem Marienleben, Tapisserie
Im rechteckig angelegten und mit einer niedrigen Mauer umgebenen Hortus Conclusus (Paradiesgarten) sitzt links Maria auf einer Bank. Sie trägt über dem roten Kleid den blauen Mantel, zeigt sich barfüssig und mit über die Schultern fliessenden goldenen Haaren, dazu trägt sie eine goldene Krone und einen mit 12 Sternen besetzten Strahlenkranz. Sie hält die Hände betend dem Einhorn entgegen, das zu ihr aufspringt. Rechts nähert sich Erzengel Gabriel. Er bläst ins Hilfthorn und hält an der Leine drei Jagdhunde, die als Caritas, Veritas und Humilitas bezeichnet sind. Rechts öffnet sich ein Portal zum Garten hin, mit der Datierung 1614. Ausserhalb sind zu beiden Seiten Engel zu sehen, der rechts schreitet durch die Porta Aurea, der links steht vor dem Turm Davids. Im Paradiesgarten befindet sich mittig eine Klosteranlage oder Stadt und passende marianische Symbole wie das Velum Gedionis (Giedionsvlies), das für die makellose Empfängnis Mariens steht, die Urna Auria (goldene Urne), die auf Maria als makelloses Gefäss verweist, das Brunnenmotiv des Fons Signatus (versiegelter Brunnen oder Quelle für Maria als Quelle des Lebens, aber verschlossen und rein) in Form eines Schalenbrunnens, ein weiterer Brunnen sowie die Porta Clausa (verschlossene Pforte) als Tempelgebäude mit verschlossenem Tor, ebenfalls ein Zeichen der Jungfräulichkeit. Gottvater, Sohn und Heiliger Geist sind über der Szene in Wolken zu sehen, flankiert von Sonne und Mond sowie je zwei Engeln in Wolkengebilden. Auf dem Spruchband steht: Tota pulchra es, amica, et macula non est in te (Du bist ganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir; Hoh. Lied IV, 7). Hinter dem Hortus segelt auf einem Gewässer eine Karavelle (Arche Noah?).
Herkunft: Europa, Schweiz, Kanton Luzern, vermutlich ehem. Zisterzienserinnenkloster Rathausen
Datierung: 1614
Material: Bildstickerei (Kreuzstich) mit Wolle, Seide und Goldlahn auf Stramingeweben aus Leinen
Masse: H 86,5 x B 267 cm
Inventarnummer: G 2008.406
Provenienz:
- Privatbesitz, Kanton Luzern
- vor 05.1879: Herr Eisenring Antiquitätenhändler Wil SG, Händler/in
- 02.05.1879: Historischer Verein des Kantons St. Gallen (Museumssammlung), Ankauf, Wil
- 16.10.1917: Kulturmuseum St. Gallen, Schenkung